Papst & Teufel - die Archive des Vatikan und das Dritte Reich by Hubert Wolf

Papst & Teufel - die Archive des Vatikan und das Dritte Reich by Hubert Wolf

Author:Hubert Wolf [Wolf, Hubert]
Language: deu
Format: epub
Tags: Historisch (st), 20. Jahrhundert (st)
ISBN: 9783406630910
Publisher: C.H.Beck
Published: 2012-05-30T00:00:00+00:00


Kardinalstaatssekretär Pacelli und der «Duce», Benito Mussolini.

Neben der generellen Haltung des Vatikans zur Regierung Hitler und der fehlenden Bereitschaft, das Zentrum von Rom aus zu einer Zusammenarbeit mit den Nationalsozialisten zu bewegen, spielte seit der Konstituierung des neugewählten Reichstags die Verurteilung des Nationalsozialismus durch die deutschen Bischöfe zu Beginn der dreißiger Jahre eine immer größere Rolle. Die entscheidende Frage für Hitler lautete, wie man den Episkopat zu einer Rücknahme seiner Verdikte bringen, den Katholiken so eine Mitarbeit am neuen Reich ermöglichen und damit den Nationalsozialisten den – neben der SPD – einzigen noch geschlossenen Oppositionsblock aus dem Weg räumen konnte.

Am 22. März berichtete Orsenigo dem Kardinalstaatssekretär ausgiebig von den Eröffnungsfeierlichkeiten des neuen Reichstags am Vortag in Potsdam. Bei der religiösen Feier hätten auch rund achtzig katholische Abgeordnete der NSDAP in Uniform teilgenommen. «Der schlimmste Punkt des Tages war die offizielle Erklärung, die der Reichskanzler für seine und Minister Goebbels Abwesenheit bei der katholischen Liturgie abgegeben hat.» Als Grund wurde die Verurteilung des Nationalsozialismus durch die Bischöfe namhaft gemacht. Orsenigo verlieh seiner Hoffnung Ausdruck, mit etwas gutem Willen von beiden Seiten könnte man diesen Streit durchaus beilegen. Die bischöflichen Verbote einer Mitarbeit von Katholiken in der NSDAP griffen ohnehin längst nicht mehr. «Es ist leider nicht zu verneinen, daß das katholische Volk sich, abgesehen von wenigen Ausnahmen, dem neuen Regime mit Enthusiasmus zugewandt» und die bischöflichen Weisungen «vergessen» habe. Diese Normen beträfen ohnehin nur «den ideologisch-religiösen Gehalt der nationalsozialistischen Bewegung, sicherlich nicht aber ihre politische Einstellung». Angesichts der «Faszination», die von der nationalsozialistischen Politik auch für Katholiken ausgehe, versuchten diese, Religion und Politik irgendwie zu trennen. Es liege daher im vitalen Interesse des Katholizismus, wenn dieser Konflikt möglichst rasch beigelegt werde und die Bischöfe ihre Verurteilungen relativierten, sonst könnte er zu einem «sehr gefährlichen Funken» werden.[80]

Wie die deutschen Bischöfe selbst die neue politische Situation einschätzten, mußte für Pacelli angesichts der Informationen aus Berlin von höchstem Interesse sein. Er bat deshalb Mitte März den in Rom weilenden Münchener Kardinal Faulhaber um eine Einschätzung der Person Hitlers und der Möglichkeiten einer Rücknahme der Unvereinbarkeitserklärung von Katholizismus und Nationalsozialismus durch die Bischöfe. Faulhaber legte seine Ansicht in einem handschriftlichen sechsseitigen und in drei Teile gegliederten Memorandum nieder, das er Pacelli übergab.[81]

In einem ersten, relativ kurzen Abschnitt hob der Kardinal drei Punkte hervor, die an Hitler «zu loben» seien. Zunächst habe er den Mut, in öffentlichen Reden «den Namen Gottes zu bekennen» sowie auf seinen «Segen» und die göttliche «Vorsehung» zu vertrauen. Der Erzbischof von München und Freising betonte diesen Punkt besonders, weil in der Präambel der Weimarer Reichsverfassung, wie er Pacelli gegenüber unterstrich, jeder Gottesbezug fehlte. Eine Verfassung, die nur auf der Volkssouveränität gründete und der jede Verankerung im göttlichen Recht und damit jeder Transzendenzbezug fehlte, war für Faulhaber nicht hinnehmbar. Deshalb hatte er die Weimarer Reichsverfassung entschieden abgelehnt und war einer aktiven Mitarbeit von Katholiken in der Republik skeptisch gegenübergestanden, worüber es auf dem Münchener Katholikentag von 1922 zu heftigen Auseinandersetzungen mit Konrad Adenauer (1876–1967) gekommen war. Zweitens habe es sich Hitler –



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